Vom Judenfriedhof Altengronau zum Langen Markstein

Einer der geheimnisvollsten Plätze der weiteren Bergwinkel-Region ist der jüdische Friedhof über Altengronau. Er diente einer Reihe jüdischer Gemeinden aus einem Umkreis von gut 25 km  als Begräbnisstätte und versammelt fast 1.500 Grabsteine aus der Zeit zwischen 1691 und 1937
(Einzelheiten s. Ernst Müller-Marschhausen: Der Judenfriedhof in Altengronau | alemannia-judaica.de).

Foto: Dr. Volker Stille
Foto: Dr. Volker Stille

Der vom Friedhof steil ins Sinntal hinabführende Weg war das “Judenpflaster”, auf dem der Wagen mit dem Verstorbenen von einem Pferdegespann hier heraufgezogen wurde. Einige der buckligen Sandsteine sind noch zu erkennen (heutige Anfahrt auf ausgeschildertem Fahrweg ab Kirche). – Eine Informationstafel des “Archäologischen Spessart-Projekt e.V.” erklärt sehr schön Geschichte und Bedeutung des Friedhofes. An manchen Grabsteinen im neueren Teil sind Tafeln angebracht, die an das Schicksal von in deutschen Konzentrationslagern ermordeten Familienmitgliedern der Verstorbenen erinnern.

7,2 km
Detail-Karte, Höhenprofil & GPS-Daten | Gebrauchsanweisung

Am Haupteingang hängt eine Liste derjenigen jüdischen Feiertage aus, an denen der Friedhof nicht betreten werden darf. Dies gilt generell an Samstagen (Sabbath).

IMG_6314 - Gedenkstein etwas weiterDie 7-km-Tour hat drei kürzere fast weglose Abschnitte, weswegen man im Umgang mit dem GPS-Gerät schon etwas geübt sein sollte. Über die Höhe des Buchwaldes führt ein ziemlich ruppiger Weg, in dessen Linksknick nach rund 1 km eine Gedenkstele in Form eines abgesägten Baumstamms an einen hier tödlich verunglückten Waldarbeiter erinnert. – Bald ist dann der Lange Markstein erreicht (beide s. Detailkarte), ein Sandsteinmonolith, der praktischerweise genau auf der Grenze zwischen der Landgrafschaft Hessen und der Herrschaft Thüngen lag, als diese in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts versteint wurde. So konnte man sich die Kosten eines gewöhnlichen Marksteins sparen und meißelte in die Vorderseite den hessischen Löwen und in die Rückseite die “gewellten Pfähle” als Hauptbestandteil im Wappen der Freiherren von Thüngen ein.

Unter dem Löwen finden sich als frischere Gravur die Initialen KP für Königreich Preußen, unter dem thüngischen Wappen KB für Königreich Bayern. Die Erklärung liefert die in die Stirnseite gemeißelte Jahreszahl 1873, die auf die territorialen Veränderungen nach dem deutschen “Bruderkrieg” von 1866 verweist. Der hessische Landgraf hatte auf Seiten der österreichischen Verlierer gestanden und Preußen verleibte sich die Landgrafschaft Hessen-Kassel ein und dokumentierte dies sieben Jahre später auch in dieser Grenzsteinreihe. Die Inschrift LG 59 weist dem Stein die Nr. 59 der neuen Landesgrenze zu, “N 36″ war die Zählung der alten Grenze. Nach 1945 wurde aus den preußischen Provinzen das Bundesland Hessen geschaffen – weswegen wir hier heute an der hessisch-bayerischen Grenze stehen (die Herrschaft Thüngen war 1814 ans Königreich Bayern gefallen)..