Burg Steckelberg (Steckelsburg)

080719 - Steckelsburg - Geschützturm -  BergwinkelWir erreichen die seit Mitte des 17. Jh. verfallende Anlage bei dem halbrund vorspringenden “Rondell”, einem Geschützturm. Die etwas beschädigte und verwitterte Inschrift auf der Spitzbogenfassung des einstigen Eingangtores lautet(e): “Anno din (Abk. f. domini) 1509 Ulrich v. Hutten”. Damit ist der Vater des Dichters gemeint, der den Geschützturm anbaute, um dem Siegeszug der Feuerwaffen bei der Verteidigung seines Sitzes Rechnung zu tragen. Der jüngere Ulrich von Hutten, seit zehn Jahren schon von zu Hause fort, war in jenem Jahr einundzwanzig geworden und sollte bald seine erste größere Gedichtsammlung veröffentlichen.

080719 - Steckelsburg Spitzbogen alter Eingang - BergwinkelDer angrenzende Mauerrest gehörte zur einstigen Frontseite der Kemenate, des Wohnbaus. Von diesem stehen also nur noch Teile der beiden Innenmauern, so daß wir den Burghof quasi aus dem nicht mehr vorhandenen Geburtshaus des Dichters betreten.

Auf der Gedenktafel steht, daß Burg Steckelberg 1131 zuerst genannt, 1276 geschleift und 1388 neu erbaut wurde. Die ersten beiden Daten gelten allerdings für die “Altenburg” auf dem benachbarten Bergkegel, als deren Nachfolgerin 1387/88 die hiesige Burg entstand.

Im Inneren des Geschützturms denkt man angesichts des Kamins unwillkürlich an einen gemütlichen Rittersaal. Doch der Kamin ist eine Zutat 080719 - Steckelsburg Kamin - Bergwinkelaus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, als der Raum für private Burgabende der nun großindustriellen Besitzer etwas Behaglichkeit erhalten sollte. In der noch funktionierenden Burg war dies Eingangshalle und Wachstube. Die schmalen Schießscharten zeigen, daß sie für die Nahverteidigung mit Büchsen angelegt waren. Im ersten Stock, dessen Stütznasen zu sehen sind, waren die Schießscharten schon etwas breiter, die schweren Geschütze aber standen auf der Plattform des längst verschwundenen zweiten Stockwerks, von wo wir heute die prächtige Aussicht ins Schlüchterner Land genießen.

Der jüngere Ulrich kam während seiner ruhelosen Wanderjahre nur noch selten auf die väterliche Burg zurück. Einige Streitschriften entstanden hier, die er “Blitze von der Huttensburg” nannte. Zu seinem bissigen Dialog gegen die “Römische Dreifaltigkeit” schrieb er: “Dies Gespräch haben mir die Ruhe hier und unsere Berge gegeben”.

Freilich war das Burgleben damals alles andere als romantisch. Hutten dürfte Burg Steckelberg vorgeschwebt haben, als er an seinen Freund Pirckheimer 1518 schrieb:

“Die Burg ist nicht gebaut, um schön, sondern um fest zu sein.” Er schildert die drangvolle Enge, den Gestank von Schießpulver und Kot und fährt fort: “Reiter kommen und gehen, unter ihnen sind Räuber, Diebe und Wegelagerer, denn gewöhnlich stehen unsere Häuser offen, und wir wissen nicht, wer ein jeder ist oder kümmern uns nicht sehr darum. Man hört das Blöken der Schafe, das Brüllen der Rinder, das Hundegebell, das Rufen der Arbeiter auf dem Felde, das Knarren und Rattern; ja wahrhaftig, auch das Heulen der Wölfe wird im Haus vernehmbar, da der Wald so nahe ist.” 

Steckelsburg - GrundrißGeht man wieder aus der Burg hinaus, kann man gleich unterhalb des Geschützturms nach rechts einem etwas verwachsenen Pfad folgen, der auf dem Wall des einstigen Burggrabens um die kleine Festung herum führt und dann wieder auf den Zugangsweg trifft.

aus: Stefan Etzel: Rhönwanderbuch

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